Anregung und Emotion in 400 Jahre altem Verlagshaus

Anregung und Emotion in 400 Jahre altem Verlagshaus

Donnerstag, 29. September 2016 — Am 30. September 2016 öffnet das neue Museum Plantin-Moretus, UNESCO-Welterbe. Das Museum nimmt den Besucher mit in die besondere Geschichte des voranstrebenden Herausgebers Christoffel Plantin und der Familie seiner Schwiegereltern Moretus. Filmische Interventionen, Soundscapes und ein Ort, an dem jeder an die Arbeit gehen kann: Mehr noch als früher werden das Haus, der Verlag und die Familie zum Leben erweckt.

Christoffel Plantin: der wichtigste Verleger der Niederlande

Christoffel Plantin stammt aus Saint-Avertin in der Nähe von Tours in Frankreich. Der Verleger aus dem sechzehnten Jahrhundert ließ sich um 1550 in Antwerpen nieder und führte sein Unternehmen wie ein heutiger CEO. Sein Verlagshaus ‚Officina Plantiniana’ wuchs zu einem multinationalen Unternehmen mit Niederlassungen in Leiden und Paris heran. Mit der mehrsprachigen Bibel Biblia regia wusste er den spanischen König Philip II von seinen spitzenmäßigen Druckerzeugnissen zu überzeugen, und er erhielt das Privileg, liturgische Werke bis nach Mittel- und Südamerika zu exportieren. Er ist der Stammvater der Verlegerdynastie Plantin - Moretus. Neun Generationen lang blieb der ‚Gulden Passer’, das Wohnhaus mit Verlag am Antwerpener Vrijdagsmarkt, in den Händen der Familie.

Bis vor 140 Jahren. Im Jahre 1876 verkauft Edward Moretus Plantin das Ganze samt Inventar und Archiven an die Stadt Antwerpen, um daraus ein Museum von Rang zu machen. In diesem Museum entdeckt der Besucher bis zum heutigen Tage, wie wichtig dieser Antwerpener Verlag war. Nicht umsonst sind die Archive als Memory of the World und das Museum als UNESCO-Welterbe anerkannt.

Treffen Sie den aufstrebenden Verleger Christoffel Plantin, seine Familie und seine Bekannten

Heute ist eine neue Phase angebrochen. Im renovierten Museum trifft der Besucher im Erdgeschoss auf den vielseitigen Plantin als Familienmensch, Unternehmensleiter, Geschäftsmann und Drucker von spitzenmäßigem Druckwerk. Die Officina Plantiniana ist ein erfolgreiches Büchergeschäft, das sich von der Konkurrenz durch Qualität in Form und Inhalt unterscheidet. Sein Unternehmen ist ein Familienunternehmen, in dem seine Töchter schon in jungem Alter mitarbeiten. Plantin ist ein gewiefter Geschäftsmann und ein guter Geschäftsführer. Mit dem Verkauf von Seiten, Globen und Karten verteilt er seine Risiken und übersteht turbulente Zeiten.

Plantin ist der beliebte Verleger von Wissenschaftlern und Humanisten. Er fordert sie heraus, um mit ihm bessere und genauere wissenschaftliche Werke zu veröffentlichen. Kiliaan legt auf dem Vrijdagmarkt die Basis des niederländischsprachigen Wörterbuchs und mit der niederländischsprachigen Ausgabe von Valverde werden die ‚Barbiere und Chirurgen’ über die Entwicklungen in der Medizin informiert. Karten von Ortelius gehen über den Ladentisch, und mit den Ausgaben von Lobelius, Dodoens und Clusius erhält die Botanik oder Pflanzenkunde einen Impuls. Im ‚Tiende’ plädiert Simon Stevin für das Dezimalsystem, und Jahrhunderte später inspiriert dieses Werk Jefferson beim Festlegen des Dollars.

Ein Verlag, der dazu beiträgt, der Welt Form zu geben

Im ersten Stock liegt der Fokus auf dem Verlag, mit dem Plantin und seine Nachfahren Antwerpen auf die Karte setzten. In vier Themenbereichen - Sprache, Wissenschaften, Religion und Mensch und Gesellschaft - kommen die wichtigsten Realisationen zum Zuge. Die größten Schriftsteller und Wissenschaftler finden ihren Weg zum Vrijdagmarkt in Antwerpen. Plantin verbreitet ihre Ideen international.

Die Ausstellung setzt 10 Spitzenwerke in den Fokus, echte Bestseller, die der Geschichte ihren Stempel aufdrückten. Denken Sie nur an die Karten von Ortelius oder die mathematischen Werke von Stevin.

Plantin ist ein Trendsetter in der Formgebung. Er erschafft einen neuen Markt für Bücher, die mit detaillierten Kupferstiche bebildert sind. Der Franzose führt eine Palette von eleganten französischen Letter-Sets in den südlichen Niederlanden ein, wie zum Beispiel die Garamond. Diese Schriftart ist heute auch auf jedem Computer zu finden. Enkel Balthasar entwickelt mit seinem Jugendfreund Peter Paul Rubens das Layout des Barockbuches.

Neue Präsentation

Die Ausarbeitung der Szenografie wurde dem Studio Caroline Voet en Leen De Brabandere anvertraut, das seine Sporen schon im Kasteel d’Ursel in Hingene verdient hat. Voet-De Brabandere ist ein Büro, das ein Auge für die Nachhaltigkeit und den Wert einer Unesco-Site und ganz große Aufmerksamkeit für die Authentizität des historischen Hauses hat. Durch die Einbeziehung des Formgebers Geoffrey Brusato gelingt es ihnen auch, dem Ritual der Handhabung eines Buches beim Museumsbesuch einen Platz zu geben. Digitale Medien werden anwesend sein, spielen aber eine untergeordnete Rolle, da das Buch im Fokus steht.

‘Unser Ziel ist es, in diesem authentischen – und von der UNESCO geschützten – Rahmen die Geschäftigkeit im Wohnhaus und an den Arbeitsplätzen zum Leben zu erwecken. Der Besucher nimmt die Tele-Zeitmaschine in das 16. Jahrhundert und trifft dort auf Plantin als Familienmensch, Unternehmensleiter, Drucker, Humanist, visionären Verleger und erlebt, wie ein Unternehmer von Weltformat sein Unternehmen ausbaute.‘

Mehr erleben, denken und tun

Die Treffen mit Plantin machen den Besuch ganz persönlich: Die Erlebnisroute zieht den Besucher ganz in die Atmosphäre des Hauses. Tickende Uhren, knackende Fußböden und Lichtwirkung erhöhen die Atmosphäre. Filmische Interventionen geben einen Eindruck des regen Wohn- und Arbeitslebens der damaligen Zeit. Soundscapes erwecken die Site zum Leben, mit zeitgenössischen Eindrücken von der geschäftigen Druckerei, dem internationalen Handel, den Korrektoren, dem Trubel des Stadtlebens usw.

Interaktive Räume ermöglichen es Jung und Alt, ans Werk zu gehen: Besucher erleben dadurch mehr, dass sie hinter dem Ladentisch des alten Buchgeschäftes stehen oder Bücher durchblättern. Sie können sich für ein lebendiges Foto verkleiden oder dadurch im Druckerberuf untertauchen, dass sie die verschiedenen Schritte des Druckprozesses durchlaufen: Vom geschnittenen Letter bis zum gedruckten Text. Besucher verlassen das Museum mit einem eigenen, selbstgemachten Druckwerk. Abenteuerlustige Familien suchen den möglichen Täter des Mordes an Balthasar I mit dem Familienspiel.

Bücher werden auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen, aber dadurch, dass von Plantins Druckwerk aus Links zur Lebenswelt des Besuchers gelegt werden, überraschende Tipps gebracht werden und viel mehr Nachdruck auf Bildsprache gelegt wird, fängt das Museum die Aufmerksamkeit der Besucher ein, die durch das Haus und seine Bewohner stärker angezogen werden.

Aufgrund eines Hörspiels auf der Antwerpener Museum App werden die Bewohner und Mitarbeiter des Museums zum Leben erweckt. Besucher hören die Stimmen von Warre Borgmans, Bruno Van den Broeck, Robby Cleiren, Peter Van den Eede, Koen Van Impe, Lotte Heijtenis und Els Dottermans über einen Kopfhörer mit 3D Audio, so dass sie glauben, vollständig in der Erzählung zu sein.

Um den Besucherkomfort zu erhöhen, schafft das Museum mehr Ruheräume, bessere Empfangsräume, bessere Atelierräume und ein attraktiveres Museumsgeschäft mit einem reicheren Angebot. Das Museum wird durch eine bessere Ausleuchtung und Beschilderung noch nachdrücklicher auf dem Vrijdagmarkt anwesend sein.

Depot und Lesesaal

Das Depot mit neuem Lesesaal stammt von der Hand der noAarchitecten. Mit der Realisierung des Depots kann die Sammlung auf eine angemessene Art verpackt und gelagert und für die folgenden Generationen sorgfältig aufbewahrt werden.

UNESCO ist zufrieden, dass die Stadt diese Initiative ergriffen hat, wodurch die Sammlungen auf eine verantwortungsvolle Art und Weise an Ort und Stelle aufbewahrt bleiben können. Die UNESCO weiß es zu schätzen, dass die neue Architektur eine zeitgenössische funktionalistische Kreation bildet, welche die Essenz der traditionellen Architektur interpretiert, aber nicht ausdrücklich zitiert.
Auch in der Dauerausstellung wird die Sorgfalt für die Sammlung besser. Mit dem Kulturerbe auf Papier verhält es sich wie mit Textilien: Nicht beständig gegenüber langfristiger Aussetzung bei Licht und Temperaturschwankungen.

Museum am Vrijdagmarkt

Das Museum Plantin-Moretus liegt am Vrijdagsmarkt, einem historischen Stadtplatz inmitten des Antwerpener Modeviertels, der durch die Niederlassung neuer, trendiger Geschäfte gewaltig auf dem Vormarsch ist. Damit findet der Platz erneut Anschluss an das, was er vor 400 Jahren war: Der Ort in der Stadt, an dem die revolutionärste kreative Industrie war, die der Mensch je schuf: Die Buchdruckkunst boomte hier, in diesem Stadtviertel hatten sich die meisten der beinahe achtzig Antwerpener Drucker niedergelassen. Die bloße Anzahl zeigt die Vormachtstellung von Antwerpen als Druckerstadt. Dass Antwerpen eine blühende Hafenstadt war, ist daran nicht unschuldig: Neue Produkte und neue Kenntnisse kommen hier schneller an, Wissenschaftler kommen nach Antwerpen, um ihre Bücher dort drucken und von hier aus verbreiten zu lassen. Antwerpen wird ein Knotenpunkt von Kenntnissen.

Dass von diesen achtzig Antwerpener Druckereien gerade die von Christoffel Plantin, die größte unter den westeuropäischen, erhalten geblieben ist, ist für eine Stadt wie Antwerpen einer der stärksten Zeugen der ruhmreichen Geschichte von Antwerpen als Handels- und Wissensstadt.

PRAKTISCH

Das Museum Plantin-Moretus ist am 30. September 2016 erneut für die Öffentlichkeit geöffnet.

  • Tarife: 8 Euro, 6 Euro, gratis
  • Geöffnet: Von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
  • Museum Plantin-Moretus

Vrijdagsmarkt 22 - 2000 Antwerpen

 

Für weitere Informationen über diesen Pressebericht:
Nadia De Vree, Pressedienst Museen und Kulturerbe von Antwerpen
Mobil +32 475 36 71 96, nadia.devree@stad.antwerpen.be

Bildmaterial über http://pers.museumplantinmoretus.be/media#museumplantinmoretus

Verantwortliche Schöffen: Philip Heylen, Schöffe für Kultur, Wirtschaft, Stadt- und Nachbarschaftsentwicklung, Kulturerbe und Konfessionen